Steckbrief Dagmar Nick

Dagmar Nick wurde 1926 in in Breslau (Wrocław) als Tochter des Komponisten und Musikkritikers Edmund Nick und der Konzertsängerin Käte Nick-Jaenicke geboren. Sie war Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und gilt neben Rose Ausländer als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Die KünstlerGilde Esslingen zeichnete Nick 1993 mit dem Andreas-Gryphius-Preis aus.
Vita von Dagmar Nick
Name: Dagmar Nick
Geboren: 1926 in Breslau (Wrocław)
1933 übersiedelt ihre Familie nach Berlin, wo sie das Lyzeum besucht.
1944 wird ihre Familie ausgebombt und kommt bei Verwandten in Böhmen unter.
Februar 1945 Flucht mit dem letzten Zug nach Bayern.
Nach dem Krieg Treffen mit Erich Kästner, der im Oktober 1945 das erste Gedicht der 19-jährigen Nick veröffentlicht.
1947: Erster Gedichtband.
Studium für Psychologie und Grafologie in München.
1963-1967: Übersiedlung nach Israel.
Seit ihr Rückkehr lebt Dagmar Nick in München.
Literarischer Fokus
Lyrik, aber auch Prosa, Hörspiele sowie einige Übersetzungen.
In ihren lyrischen Werken setzt sich Dagmar Nick oft mit den Themen Abschied, Trauer und Liebe auseinander; in ihren ersten Gedichten verarbeitete sie insbesondere das Leiden, die Angst und die Verzweiflung der Kriegszeit.
1947 erschien ihr erster Gedichtband Märtyrer – „geschrieben für jene, die die Konzentrationslager erlebten“.
Sie besteht – wohl auch geprägt durch ihr musikalisches Elternhaus – auf der Musikalität ihrer Lyrik: „Wenn ich Gedichte schreibe, möchte ich sie auch sprechen können; sie müssen eine Schwingung haben.“ (Quelle: Literaturportal Bayern).
Preise & Auszeichnungen
1963: Literaturpreis der Landsmannschaft Schlesien
1966: Eichendorff-Literaturpreis
1970: Ehrengabe zum Andreas-Gryphius-Preis der KünstlerGilde e.V.
1986: Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen
1993: Andreas-Gryphius-Preis
1996: Literaturpreis der Gedok
2020: Pro meritis scientiae et litterarum
2025: Kultureller Ehrenpreis der Landeshauptstadt München
Wissenswertes über Dagmar Nick
Dagmar Nick wurde als Tochter des Komponisten Edmund Nick und der Konzertsängerin Käte Nick-Jaenicke geboren. Schon im Alter von vier Jahren hatte sich die kleine Dagmar erste Gedichte ausgedacht.
Dagmar Nicks Bruder gilt als im Krieg verschollen.
Nicks Mutter Käte war in der Weimarer Republik regelmäßig im Radio zu hören und trat in Oper und Theater auf. Nach der Machtergreifung der Nazis durfte sie als „Halbjüdin“ nicht mehr auftreten. Ihr Vater wurde 1933 als Leiter des Schlesischen Rundfunks in Breslau entlassen.
Obwohl evangelisch getauft und nicht gläubig, fühlte sich Dagmar Nick durch ihre mütterlichen Vorfahren mit dem Judentum verbunden. Auf einer Reise nach Israel lernte sie den israelischen Arzt David Peterson kennen und heiratete dort. Später kehrte sie nach Deutschland zurück – auch, weil ihr die deutsche Kultur und Sprache fehlte (Quelle: FemBio).
Sie war Mitglied des Schutzverbands deutscher Schriftsteller (seit 1948), des PEN-Zentrums Deutschland (1965) sowie der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (2005).
Nick war dreimal verheiratet: mit Peter Davidson (Arzt), Robert Schnorr (Dramaturg, Übersetzer) und Kurt Braun (Arzt, Fotograf) – den sie nach einem Schlaganfall 15 Jahre lang pflegte.
Hier geht es zum Wikipedia-Eintrag für Dagmar Nick.
Ausgewählte Werke von Dagmar Nick
Lyrik (Auswahl)
1947: Märtyrer
1959: In den Ellipsen des Mondes.
1978: Fluchtlinien. Gedichte aus 33 Jahren.
1986: Gezählte Tage.
1996: Gewendete Masken.
2008: Schattengespräche.
2016: Im freien Fall.
Prosa (Auswahl)
1998: Jüdisches Wirken in Breslau. Eingeholte Erinnerung (ein Panorama des jüdischen Lebens ihrer Geburtsstadt).
1963: Einladung nach Israel (Prosa & Lyrik)
2006: Momentaufnahmen.
2015: Eingefangene Schatten. Mein jüdisches Familienbuch.
Textauszug: Leseprobe
„Weiter. Weiter. Drüben schreit ein Kind.
Laß es liegen, es ist halb zerrissen.
Häuser schwanken müde wie Kulissen
durch den Wind.
Irgendjemand legt mir seine Hand
in die meine, zieht mich fort und zittert.
Sein Gesicht ist wie Papier zerknittert,
unbekannt.
Ob Du auch so um dein Leben bangst?
Ach, ich habe nichts mehr, kaum ein Leben,
nur noch Angst.“(1. publiziertes Gedicht von Dagmar Nick)
„Eigentlich dachte ich, Frieden sei Glück
und nicht bloß eine Vokabel.
Doch immer kehren die Tauben zurück
ohne den Ölzweig im Schnabel.“
© Dagmar Nick | KünstlerGilde e.V. Esslingen
Eine Liste aller Mitglieder und Preisträger der KünstlerGilde Esslingen, die wir bereits mit einer individuellen Personenseite vorgestellt haben, findet sich ebenfalls auf dieser Webseite.
