Steckbrief Erich Pawlu

Der aus Frankstadt stammende Schriftsteller und Publizist von vielen tausend Einzelveröffentlichungen war hauptberuflich Lehrer. Pawlu hat seine ironisch-satirischen Literaturwerke zumeist in Form von Gedichten, Erzählungen und Kurzgeschichten publiziert.

Erich Pawlu war Mitglied, Preisträger und Unterstützer der KünstlerGilde e.V. Esslingen.

Eine Stiftung in seinem Namen fördert seit 2024 die Literatur.

Vita von Erich Pawlu

Name: Erich Pawlu

Geboren: 24.02.1934 in Frankstadt (Nový Malín)

Volksschule in Frankstadt; ab 1944 Oberschule in Mährisch-Schönberg.

Vertreibung

1946-1953: Abitur am humanistischen Gymnasium in Ingolstadt (damals Canisius-Konvikt)

1953-1957 Studium für Germanistik, Geschichte und Geographie an der Universität München

1959-1996: Tätigkeit als Gymnasiallehrer in Dillingen – später auch Studiendirektor

Gestorben: 19.08.2022 in Dillingen a. d. Donau

Literarischer Fokus

Satire, Ironie und Heiteres – in Gedichten, Erzählungen, Kurzgeschichten, Glossen, Rundfunksketchen sowie Hörspielen.

Von Pawlu stammen insgesamt mehrere tausend Einzalpublikationen in Zeitungen und Zeitschriften, u. a. in der Süddeutschen Zeitung, der Welt, der Neuen Zürcher Zeitung, der Frankfurter Rundschau sowie im Südwestrundfunk. Für die Augsburger Allgemeine und Theater heute schrieb er Theater- und Kunstkritiken.

Darüber hinaus war Erich Pawlu Herausgeber und Co-Autor von Schulbüchern für Gymnasien, und er war Autor von Schulfunk-Sendungen.

Preise & Auszeichnungen

1969: Förderungspreis des Ostdeutschen Kulturrates Bonn für Erzählungen

1988: Nikolaus-Lenau-Preis der KünstlerGilde Esslingen

1988: Sudetendeutscher Kulturpreis für Literatur

2005: Erzählerpreis der KünstlerGilde Esslingen

2010: Berufung als ordentliches Mitglied der Klasse der Künste und Kunstwissenschaften der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste

2011: Bundesverdienstkreuz am Bande

2015: Andreas-Gryphius-Preis für das Gesamtwerk

Wissenswertes über Erich Pawlu

Seine Studienzeit war von substanzieller Armut geprägt.

Der Erzählband „Gestörte Spiele oder Das umgedrehte Hitlerbild“ ist Erich Pawlus einziges Werk, in dem sich der Autor direkt mit der Vergangenheit auseinandersetzt.

„Die authentischen Erzählungen im Band »Gestörte Spiele oder Das umgedrehte Hitlerbild« schildern weniger die Kindheit eines sudetendeutschen Jungen. Eher beschäftigen sie sich parabelhaft mit den Erlebnissen eines Kindes in Zeiten der Diktatur und der Anarchie.“ […]

„Das Schicksal der Vertreibung hat mich entscheidend geprägt, sodass die Erinnerung an die verlorene Heimat auch meine schriftstellerische und publizistische Arbeit nachhaltig beeinflusst hat. Allerdings ging es mir dabei nie um politisch-ideologische Zielsetzungen. Mit meinen autobiografisch gefärbten Texten wollte ich vielmehr das menschliche Leid verdeutlichen, das unter einer historisierenden Lehrbuch-Überschrift wie »Konferenz von Potsdam« verborgen wird.“

Quelle: Erich Pawlu im Interview mit dem Literatur-Portal Bayern

Pawlu war Teil des Literarischen Quintetts Dillingen. Daneben war er Jurymitglied für den Kunstpreis Bezirk Schwaben, den Dillinger Literaturwettbewerb, den Nikolaus-Lenau-Lyrikpreis, den Erzählerpreis der KünstlerGilde Esslingen, für Kulturpreise im Haus der Heimat Stuttgart sowie Juror von Kunst im Schloss Wertingen.

2024 wurde die Erich Pawlu Literaturstiftung Dillingen gegründet, welche das literarische Schaffen und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Literatur fördert.

Hier geht es zum Wikipedia-Eintrag Erich Pawlu.

Ausgewählte Werke von Erich Pawlu

Bücher

„Gestörte Spiele oder Das umgedrehte Hitlerbild“: Erzählungen (1981)

„Die Wunderwelt der Menschenseele“: Satiren (1983)

„Wenn der Computer Geschichten macht“: Satiren (1986)

„Vom Glück der Denkpausen“: Satiren (1987)

„Glück in trüben Zeiten“: Satiren (1988)

„Skurrile Balladen“ (1989)

„Künstler, Kämpfer, Konkubinen“ (1993)

„Schattenträume“: Satiren (1999)

„Übers Glück“: Satiren (2005)

„RostRosenSchatten – Salut für Jean Paul“: Satiren (2013)

Textauszug: Leseprobe

Ewiger Kreislauf

Die Menschen hatten große Mühe,
sich von den Tieren abzugrenzen,
zu sprechen vornehm in Sentenzen
und nicht zu brüllen wie die Kühe.
Von manchem Rückfall ist begleitet
dies evolutionäre Streben.
Und niemand in der Welt bestreitet,
dass es noch vielen Lust bereitet,
neandertalerhaft zu leben.

Wenn Völker einmal fünfzig Jahre
sich der Kultur entgegenstrecken
und nicht mehr ihre Zähne blecken,
nur leben für das Gute, Wahre,
da kommt gewiss ein rabiater
Despot im Staat zu Macht und Ehre.
Trotz Einspruchs aller Psychiater
verehrt man ihn als „Volkes Vater“
und unterstellt ihm alle Heere.

Mit Marschmusik und mit Dekreten
versetzt der Mann das Volk in Fieber.
Sogar die Opposition läuft über
und rät, die Feinde totzutreten.
Ein Krieg ist schnell vom Zaun gebrochen.
Und nach dem großen Schädelspalten
kommt, das was lebt, nach Haus gekrochen.
Nun kann das Volk beim Schmalkostkochen
für Jahre wieder Frieden halten.

© Erich Pawlu | KünstlerGilde e.V. Esslingen

Eine Liste aller Mitglieder und Preisträger der KünstlerGilde Esslingen, die wir bereits mit einer individuellen Personenseite vorgestellt haben, findet sich ebenfalls auf dieser Webseite.