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Konzert der KünstlerGilde in der Frauenkirche

Die KünstlerGilde e.V. Esslingen veranstaltete an diesem Sonntag, 8. Mai 2022, um 19 Uhr ein Kirchenkonzert in der Frauenkirche in Zusammenarbeit mit der evangelischen Stadtkirchengemeinde.

Der Bau der Frauenkirche und die klangschöne historische Orgel waren wie geschaffen für dieses hochinteressante Kirchenkonzert. Es war ein Konzert der besonderen Art, was durch einen lange anhaltenden Applaus der dankbaren Zuhörer auch entsprechend gewürdigt wurde.

Die Musik & ihre Protagonisten

Die Leitung hatte Dr. Dietmar Gräf, anerkannter Komponist, Pianist und Organist – und Fachgruppenleiter Musik der KünstlerGilde. Er begann solistisch auf der Orgel mit der „Toccata octava“ von Georg Muffat, ein hochvirtuoses „Anschlagsstück“, brillant vorgetragen.

Der in Esslingen ansässige Kammermusiker Helmut Scheunchen (Stuttgarter Philharmoniker) steuerte eine Solosuite bei, die aus Sätzen verschiedener schlesischer Komponisten von ihm sehr geschickt zusammengestellt und auch durch einen eigenen Satz bereichert wurde. Es kamen teilweise Doppel-, Tripel- und gar Quadrupelgriffe vor, die den Profi sofort erkennen ließen.

Die Namensgleichheit mit dem Universalgenie Leonardo da Vinci trug ohne Zweifel zum Hörgenuss des Adagio und Presto aus der Sonate von Leonardo Vinci (in Fachkreisen kein Unbekannter – eine Oper von ihm wurde im vergangenen Sommer im Markgräflichen Opernhaus von Bayreuth mit großem Erfolg aufgeführt) bei, welche von den beiden Interpreten Sonja Sanders, Querflöte, und Dietmar Gräf, Orgel, in kongenialer Weise zum Klingen gebracht wurden. Die beiden Musiker waren es auch, die einen Großteil des Programms bestritten. Darunter ein Pavane von Dietmar Gräf selbst, für Flöte solo, ein Satz aus der Suite Gothique von Léon Boëllmann, für die Kathedrale in Paris geschrieben – daher „Prière à Notre Dame“ – und „Das Meer im Frühling“, in verschiedenen pentatonischen Tonarten, passend zur Jahreszeit, des japanischen Tonschöpfers Myagi – ein absolut selten zu hörendes Werk, widergegeben mit sphärischen Klangkombinationen.

Die noch sehr junge, in Esslingen beheimatete Cara Megnin, glänzte an ihrer Oboe bei dem Solostück „Narcissus“ aus den Metamorphosen von Benjamin Britten, indem sie ihr ungewöhnliche Farben entlockte. Mit ihr erklang noch das „Allegro“ aus dem Concerto für Oboe und Orgel in C-dur, welches sie und Gräf im Duo musikantisch darbrachten.

Tim Lucas, Bassbariton, überzeugte mit seiner wohlklingenden Stimme. Er brachte die Arie „Schlummert ein“ aus der Kantate „Ich habe genug“ von Johann Sebastian Bach zum Strahlen – gekonnt sekundiert von Dietmar Gräf.

Noch nie gehörte Mozart-Improvisation

Eine der Höhepunkte dieses Konzert war eine niemals gehörte Improvisation von Mozart, die dieser im Kloster Strahov von Prag als Strahovská Improvisace, zu Gehör brachte, und die ein Pater des Klosters in Geistesgegenwart mitschrieb. Jahrelang war Gräf weltweit der einzige Interpret dieses ausgefallenen Werks, das letztlich auf der Improvisation über einen Triller besteht, da es sehr lange nirgendwo im Druck erschien.

Gräf riskierte es auch, „Eva“ und „Königin von Saba“ vor-uraufzuführen (ihm war die frühere Troppauer Orgelsymphonie gewidmet), aus der 50. Orgelsymphonie von Andreas Willscher (der als Komponist sein Plazet dazu gab) – ein schillerndes und geradezu aufwühlendes Opus des erfolgreichen Tonschöpfers. Das Werk wird demnächst als Ganzes im Hamburger Dom uraufgeführt.

Belohntes Risiko & der Ruf nach Neuauflage

Dieses Konzert der KünstlerGilde Esslingen war mit Sicherheit riskant, zumal die historische Orgel der Frauenkirche als schwer spielbar eingeschätzt wird. Es wird davon gesprochen, dass sie unter einer Woche „Spielbekanntschaft“ kaum zur Geltung gebracht werden kann. Der Organist Dietmar Gräf hatte für alle Werke gerade einmal einen Nachmittag vor dem Konzert zur Verfügung – und doch ist das Konzert am Ende bestens gelungen.

Man kann sich nur wünschen, dass diese Musiker wieder einmal ein so erlebnisreiches Konzert in die Esslinger Frauenkirche bringen werden.

Autor: Udo Beylich

Foto: Eva Beylich

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